Historischer Bergbau Suhl

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Der Suhler Eisenerzbergbau

Die Geschichte des Bergbaus in Suhl ist eine Geschichte des Eisens.

Anfangs, wohl schon in der vorrömischen Eisenzeit, waren die besonders reinen und weichschmelzigen Roteisenerze von Suhl bei den frühen Berg- und Hüttenleuten sehr geschätzt.

Roter Glaskopf - ein attraktiv ausgebildetes Roteisenerz (Hämatit). Haldenfund vom Döllberger Hauptzug.

Im Mittelalter entwickelte sich unter Herrschaft der gefürsteten Grafen von Henneberg eine umfangreiche Werkzeug- und Waffenfabrikation im Tal der Lauter. Die vortrefflichen Eigenschaften der Suhler Eisenerze und die reiche Ausbeute in den Gruben waren im ausgehenden Mittelalter Voraussetzung für die Entstehung des Feuerwaffenhandwerks, das dem damaligen Flecken Suhl einen raschen Aufschwung zur Stadt mit internationalem Ruf als "Deutsches Damaskus" einbrachte.

Links: Die heutigen "Berglöcher" auf der Kütebahn stammen von eingestürzten Abbauen der Grube „Eiserner Mann". Rechts: Blick über das verbrochene Stollenmundloch zur Halde des Sandstollens am vorderen Domberg.

Kriege und Stadtbrände versetzten das bergbauliche Treiben zeitweise in den Ruhestand. Dennoch erreichten Bergbau und Waffenherstellung zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges ein bemerkenswertes Ausmaß: Allein von 1617 bis 1619 wurden aus Suhler Eisen über 60.000 Musketen und Pistolen gefertigt.

Der Kroatenüberfall 1634 richtete einen hohen Schaden an, von dem sich der Suhler Bergbau erst nach Jahrzehnten erholte. Das Bergamt war abgebrannt, alle Unterlagen vernichtet. Die Herren von der Tann (Rhön), die bis dahin die Betriebskosten vieler Gruben bis zu deren Rentabilität vorgestreckt hatten, ließen vom Suhler Bergbau ab.

Links: Bergbaugedenktafel, die wohl einst an der Ottilienkapelle angebracht war (Magazin Waffenmuseum Suhl). Rechts: Ein sehr wertvolles altes Faksimile der Hennebergischen Bergordnung befindet sich im Suhler Stadtarchiv. 1566 wurde diese Bergordnung von Fürstgraf Georg-Ernst von Henneberg neu verfaßt, da der in jener Zeit aufblühende Kupfer- und Silberbergbau in Goldlauter eine Revision des hennebergischen Bergbaus erforderlich machte.

Vor allem Herzog Moritz Wilhelm von Sachsen-Naumburg-Zeitz förderte um 1690 das Bergbaugeschehen im Hennebergischen. Der Hochofen wurde in der Oberlauter errichtet, Kunstgezeuge zur Wasserhebung in den Bergwerken erbaut und der Vortrieb des längsten Suhler Stollens "Weiße Nachtviole" am Döllberg in Angriff genommen.

Unter kursächsischer Hoheit (ab 1718) erreichte der Bergbau wieder einen Tiefpunkt. Das fremdverwaltete Suhler Bergamt und seine "ausländischen" Beamten standen in der Kritik, dem hiesigen Bergbau zum Vorteil der benachbarten Gebiete eher zu schaden als zu nützen. Schließlich trat der Rat zu Suhl auf Betreiben der Suhler Hammerwerke in eine jahrelange zähe Verhandlung mit den Regierungsbeamten in Schleusingen, um den Bergbau zu beleben.

Links: Mundloch des Erbstollens "am Schmidfelder Fahrwege", heute "Butterbrunnen" genannt.Rechts: Untersuchung eines Stollens an der Röder, der wahrscheinlich zur Grube „Brauner Johannes" gehörte.

Ab 1760 setzte doch noch ein wahrer Boom ein: Etliche Gruben wurden in Betrieb genommen - manche wiedereröffnet, andere neu gemutet. Einige gingen aus Mangel an Kapital aber bald wieder ein. Die Schließung des herrschaftlichen Hochofens im Jahr 1790 brachte außerdem zahlreichen mit diesem gemeinsam verpachteten Bergwerken das Aus, so daß letztendlich nur noch wenige Gruben bis ins 19. Jahrhundert fortlebten und lohnende Förderung ermöglichten.

"Berg- und Handels-Stadt Suhl im Henneberger Kreise" um 1800.

1838 wurden die Akten des Suhler Bergamtes nach Groß-Kamsdorf verbracht. Die Bedeutung Suhls als Bergstadt verblaßte.

Letzte großartige Bemühungen um Wiederaufnahme des Eisenerzabbaus fanden um 1850 statt, als zum Eisenbahnbau im Hennebergischen viel Eisen benötigt wurde. Grubenreviere in Suhl, vor allem am Domberg, wurden an die Eisenbahnschienen-Compagnie, gegründet vom Hildburghäuser Verleger Joseph Meyer, bzw. an die spätere Hennebergia AG neu verliehen. Die Gruben "Eiserner Mann" auf der Kütebahn und "Seegen Gottes" am Sauerberg wurden ein paar Jahre lang mit Erfolg betrieben. Außerdem fand in den Eigenlöhnergruben "Alter Bergseegen" und "Wunderbares Glück" damals noch Förderung statt.

Mit der Aufgabe dieser Zechen endete um 1880 die jahrhundertelange Tradition des Suhler Eisenerzbergbaus.

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